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Rechbauerstraße 63a (Graz)

Österreich » Steiermark » Graz » 8010

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47° 4' 1", 15° 27' 21"


Theater im Hinterhof

Neben Wohnungen befand sich hier eine Reifenwerkstatt. Zum anderen dienten die Gebäude im Hinterhof nach dem 2. Weltkrieg zum Teil als Depots und Werkstatt für die Städtischen Bühnen. Aber auch Direktoren und Schauspieler der Grazer Bühnen hatten hier gewohnt, so z.B. der unvergessliche Anton Lehmann. Das jetzige Bühnenhaus war erst als Probebühne in Verwendung, dann eine Maler-, schließlich eine Tapeziererwerkstatt. Nach der Fertigstellung der Bühnenwerkstätten in Messendorf wurde das Bühnenhaus zum Depot bzw. zur Rumpelkammer und verfiel in einen langjährigen Dornröschenschlaf. 1989 hatte Frau Sonja Dohnalek, eine ehemalige Schauspielerin der Städtischen Bühnen die Idee, ein Seniorentheater zu gründen. Seit 1991 wird das kleine Gebäude als Theater der Komödianten in St. Leonhard genutzt und von diesen "KISTL" genannt. Bei Aufführungen zeigt sich der ganze Charme dieses Vorstadt-Theaters im Hinterhof. [1] Die bemerkenswerten Sgraffiti beiderseits des Eingangs zum "Kistl" stellen Szenen des Theaterlebens dar (links Schauspieler, rechts Musiker) und im Inneren des Gebäudes sind Wandmalereien zu sehen. Was es damit auf sich hat, ist weiter unten nachzulesen.



Kommentare

Im Juli 2015 wird (durch die Ausweisung eines Durchgangs im Entwurf des Flächenwidmungsplanes) bekannt, dass ein Immobilienentwickler das kleine Kultur-Etablissement abreißen und hier eine Wohnanlage bauen will. Das Gebiet liegt zwar in der Schutzzone III, aber die ASVK wird wohl keine Anstrengungen zur Rettung des Objektes unternehmen. Deshalb wird von Anrainern und SOKO Altstadt gefordert, dass hier ein Bebauungsplan erstellt wird, dem ein Wettbewerb vorangehen sollte, der die Neubauten in das alte Ensemble integriert. Auch das Bundesdankmalamt wurde ersucht, eine Unterschutzstellung zu prüfen.

Laukhardt (Diskussion) 21:32, 9. Jul. 2015 (CEST)

Auf Anfrage erhielt SOKO Altstadt nun freundlicherweise von ASVK und Denkmalamt ausführliche Antworten. Danach sind die ab den 1870er Jahren errichteten Bauten der Wagenfabrik des Gustav Koller als bedeutende Gewerbebauten aus ASVK-Sicht sehr wohl schützenswert, die ehemalige (angebliche) Garage, in dem sich der kleine Theatersaal befindet, aber nicht. Das Denkmalamt erklärte, dass der seinerzeitige Schutz (das Areal war in Landesbesitz) 2008 aufgehoben wurde, und eine erneute Unterschutzstellung nicht mehr in Frage kommt. Jetzt versuchen wir noch herauszufinden, wer als Schöpfer der Sgraffiti in Frage kommt.

Laukhardt (Diskussion) 19:43, 13. Okt. 2015 (CEST)

Frau Dr. Astrid Wentner von der Stadtbaudirektion teilte uns mit, dass nach ihren Aufzeichnungen zur Kunsttopographie das linke Sgraffito die Signatur "E.G" trüge. Unsere Anfrage bei Architekt Eugen Gross, dessen Initialen "verdächtig" erschienen, erbrachte durch seine richtige Vermutung die Klärung des Künstlers: Es handelt sich mit großer Sicherheit um Godwin Ekhart (als Künstler: Eghart, geboren 1932 in Kalwang, gestorben 1995 in Wien), der an der Kunstgewerbeschule am Ortweinplatz bei Rudolf Szyskowitz und dann bei Oskar Kokoschka und Albert Paris-Gütersloh studierte. Mit Franz Felfer und anderen gehörte er zu den Mitbegründern von Günter Waldorfs "Junger Gruppe" gehörte, einer Abspaltung der Grazer Sezession. Dass Ekhart auch mit Sgraffiti-Arbeiten hervortrat, beweist sein 1958 geschaffenes "Ornament" am Haus Untere Augartenstraße 39 in Wien. In den 1960er Jahren übersiedelte er nach Rom, weshalb der Wikipedia-Eintrag auch nur auf Italienisch verfügbar ist. Zuletzt waren Werke von ihm 1976 in einer von Wilfried Skreiner Ausstellung der Neuen Galerie in Graz zu sehen. Astrid Wentner hat schließlich in der Chronik des "Kistl" recherchiert (http://www.kistl-theater.at/kistl-theater-graz-geschichte/) und gemeinsam mit Gertraud Prügger klarstellen können, dass Frau Prof. Inge Kienleitner, die 1990 von der Idee eines Theaters erfuhr, die Wände des Zuschauerraums mit Figuren der „commedia dell’arte“ bemalt hatte. Durch diese neuen Erkenntnisse, dass wir es hier mit Werken bedeutender Grazer Künstlers im öffentlichen Raum zu tun haben, wird eine Anregung zur erneuten Unterschutzstellung wohl Chancen haben! Denkmalamt und ASVK wurden umgehend informiert und um eine Neubewertung gebeten.

Laukhardt (Diskussion) 14:20, 15. Okt. 2015 (CEST)

Bei Eva Schäffer, der Theater-Prinzipalin und Regisseurin und ihrer rechten Hand Petra Pauritsch (sie spielt in den "Nashörnern" von Ionesco die "Daisy"), konnten wir uns heute für die gegebenen Informationen bedanken. Wir wünschen dem "KISTL" und seinen Schauspielern eine weitere gute Entwicklung.

Laukhardt (Diskussion) 21:33, 16. Okt. 2015 (CEST)

Im November 2016 erfuhren wir, dass dem Theater unerwartet eine Verlängerung der Pacht um drei Jahre angeboten wurde, da "keine erhöhte Priorität am Areal bestünde". Nähreres über das Bauprojekt war noch nicht zu erfahren.

Einzelnachweise

  1. Homepage des Ensembles