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Leonhardstraße 28

Österreich » Steiermark » Graz » 8010

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47° 4' 20", 15° 27' 7"


"Girardihaus"

Zweigeschossiges Wohn- und ehemaliges Gasthaus "Girardikeller" mit rückspringender Gebäudehälfte, im Kern 16./17. Jh. Charakteristisch ist, dass das Erdgeschoß tiefer liegt, als die Leonhardstraße. Die Hofseite ist durch einen pittoresken, hölzernen Veranda-Eingang gepräft. Um die Mitte des 19. Jhs. war es das Wohnhaus der Schlosserei Girardi; die östliche anschließende, durch einen Torbogen vom Haupthaus getrennte Werkstätte, wurde 1895 abgebrochen und durch den Neubau Leonhardstraße 30 ersetzt. 1861 wurden von Carl Aichinger Dachhäuschen aufgesetzt. Das Innere des Erdgeschosses weist ein Tonnengewölbe mit Stichkappen von Ende des 16./Anfang des 17. Jh. und eine Holzbalkendecke des 17. Jh. Im Hof unscheinbare Nebengebäude, ehemalige Pferdestallungen des 19. Jh.

In diesem Haus wurde 1850 ein berühmter Schauspieler geboren. Zwei Gedenktafeln an der Straßenfront erinnern an ihn: "Alexander Girardi zum 100. Geburtstag, seine Vaterstadt, 5.12.1950" und "In diesem Hause wurde der grosse Volksschauspieler Alexander Girardi am 5. Dezember 1850 geboren" (angebracht anlässlich des 10. Todestages 1928). In jüngerer Zeit wurde der "Girardikeller" durch die als Chansonette künstlerisch tätige Lore Kreiner bekannt, die hier ihre Karriere startete, bevor sie nach Wien übersiedelt.

Das Haus war bis 2003 Heimat des legendären „Girardikellers“. Im Jahre 2008 kam es zu einer kurzzeitigen Hausbesetzung durch das "Projekt A-Z". Schon 2010 hatte die damalige Bezirksvorsteherin Edeltraud Zöhrer in der Zeitschrift "Woche" vor dem drohenden Untergang des denkmalgeschützten gewarnt. Seither schritt der Verfall des Hauses rasch voran. Auch die an Denkmalamt, ASVK und Stadt Graz gerichtete dringende Bitte von SOKO Altstadt beim "Runden Tisch" im Oktober 2010 brachte vorerst keine Reaktion.

Näheres siehe: ÖKT 2013

Kommentare

Das denkmalgeschützte und in der Altstadt-Zone 3 liegende Haus wird seit Jahren nicht mehr ordnungsgemäß erhalten, so tragen u.a. offen stehende Fenster ihren Teil zum Verfall bei. Bundesdenkmalamt und Altstadtkommission ringen - bisher vergeblich - um eine Lösung; wenn sie nicht bald gefunden wird, droht dem Haus der Abbruch. Heftige Proteste von Grazer Bürgern, die sogar eine Amtsaufsichtsbeschwerde einbrachten, brachten nach Unterstützung durch die Kleine Zeitung und durch dringende Anfragen der Gemeinderäte Dreisiebner und Fabisch am 17.6.2012 erste Erfolge: das Haus wurde durch Türschlösser nun wenigstens gegen Vandalismus abgesichert.

Laukhardt 14:04, 18. Jun. 2012 (CEST)

Ende Jänner 2015 hatte ich ein Foto von der Enthüllung der Gedenktafel im Jahre 1950 verschickt, die Reakton darauf war (Kleine Zeitung, 20.2., Auszug): Auf Initiative von Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) kamen alle beteiligten Ämter zu einem runden Tisch zusammen. „Unser Ziel ist es, das wertvolle Haus in seiner derzeitigen Erscheinungsform zu erhalten und es wieder zu beleben“, sagt Christian Köberl aus dem Bürgermeisteramt. Am Montag, dem 8.6.2015, erreichte mich vertraulich eine Schreckensmeldung: die ASVK hat das Girardihaus zum Abbruch freigegeben! Es war eine Stimme mehr für den Abbruch! Die kurz danach von mir bei Altstadt-Anwalt HR Rupprecht telefonisch eingeholte Information: Die Begründung der ASVK lag im "nicht gerade sensationellen äußeren Erscheinungsbild". Es waren bei der Sitzung Vertreter des BDA anwesend, sie sind allerdings ohne Stimme. Ich habe am 9.6.2015 den Bürgermeister von dem unerhörten Vorgang informiert. Mag. Nagl bedankte sich für die Information und zeigte sich wütend über die "zwei" (BDA, ASVK), die zum Schutz der Altstadt zu handeln hätten. Für SOKO Altstadt hat sich die ASVK als Instrument des Altstadtschutzes damit endgültig selbst in Frage gestellt! Es wird jetzt am Denkmalamt und der Baubehörde liegen, dieses Gutachten nicht zu exekutieren, die Stadt wird ebenfalls zeigen müssen, ob ihr noch was am Denkmalschutz liegt. Wenn das Girardihaus abgerissen wird, sollte sich Graz gleich selbst aus der Welterbe-Liste verabschieden! Laukhardt (Diskussion) 19:14, 9. Jun. 2015 (CEST)

Am 21.7.2016 rüttelt neuerlich ein Bericht in der "Kleinen Zeitung" die Grazer Altstadtliebhaber auf. Der Besitzer hatte den Gehsteig sperren lassen wollen (angeblich, um ihn herzurichten), aber man befürchtete Vorbereitungen zum Abbruch, sodass die Behörde das ablehnte. Gerüchte besatgen aber, dass der weststeirische Industrielle dennoch versuchen könnte, das Haus dem Erdboden gleich zu machen. Daraufhin haben wir die Stadtregierung über ein Mail alarmiert und an sie appelliert, diese bedeutende Gedenkstätte Grazer Theaterkultur endlich vor dem Verfall zu retten und ihr einen würdigen Rahmen zu geben. Ein Anruf aus dem Büro des Bürgermeisters stellte lediglich klar: falls ein Abbruch gestartet würde, müsste das Denkmalamt die Bezirksverwaltungsbehörde (in diesem Fall die Stadt Graz) verständigen, die dann einzuschreiten hätte. Diese Vorgangsweise ist uns bekannt, löst aber das Problem nicht.

Zehn Tage später berichtet der "Grazer" über die Ideen und Pläne, die der frühere Gemeinderat Manfred Größler mit dem Haus wälzt. Diesen Anregungen kann man nur voll zustimmen. Auch das Grazer Schauspielhaus ist ja 1964 durch eine gemeinschaftliche Anstrengung Grazer Kulturbeflissener vor dem unausweichlich scheinenden Abriss gerettet worden.

Laukhardt (Diskussion) 16:43, 31. Jul. 2016 (CEST)

Einzelnachweise