Mariatroster Straße 136
Österreich » Steiermark » Graz » 8042
47° 5' 53.99" N, 15° 28' 12.40" E
Ehem. Drahtstiftenfabrik Gratzer-Künne
Schon im August 1861 war der „Drahtstiften-Erzeuger“ Michael Gratzer gezwungen, den Betrieb mittels Pferdekraft in Gang zu halten, da der „Kroisbach“ seit zwei Monaten kein Wasser mehr führte. 1869 musste er einen Dampfkessel aufstellen und einen Rauchfang bauen. Als Michael Gratzer am 27. Juni 1875 im Alter von 67 Jahren an "Auszehrung" gestorben war, betrug der Wert der Fabrik laut Inventar 5.000 fl CM. 1876 ging der Besitz an Gratzers Tochter Josefa Künne über, den Gewerbeschein erhielt ihr Mann, der 1827 in Wernigerode geborene Friedrich Künne. 1896 wurde die ganze Anlage durch den Hochwasser führende Mariatrosterbach schwer beschädigt. 1898 folgte Friedrich Karl Künne seinem Vater als Inhaber der Fabrik nach. Gegen die "Fabriksesse" gingen 1899 vergeblich die Besitzerin der "Villa Brauner" und die dortigen Wohnparteien mit einer Anzeige vor.
Am späten Abend des 17. Juli 1901 entstand, womöglich durch Brandstiftung, ein gefährliches Feuer, das den Dachstuhl einäscherte. Der Wagenführer einer gerade vorbeifahrenden elektrischen Bahn konnte rasch die Feuerwehren alarmieren. Die Grazer Zeitungen berichteten ausführlich, und auch eine Illustration wurde beigesteuert; man liest auf dem Gebäude "Drahtstiften Erzeugung Mich. Grazer’s Nachf. Friedr. Künne". Am 23. November 1909 berichten die Zeitungen neuerlich über ein Großfeuer, diesmal in der „Künneschen Korkstoppelfabrik“, das um 3 Uhr früh von der Kellnerin der Gastwirtschaft und Meierei St. Johann bemerkt wurde. Der nur teilweise durch Versicherung gedeckte Schaden betrug 18.000 Kronen.
Bald darauf dürfte die Fabrik an den k. k. Major Daniel Schneider-Wehrthal (er starb 1935 als General) übergegangen sein, denn im November 1911 fand - auf der Flucht vor seinen Frauen - der "Heidedichter" Hermann Löns Unterschlupf in dessen Haus; das Mansardenfenster seines Zimmers ist noch lokalisierbar. Während des ersten Weltkrieges sollen in der Werkstätte Granaten für das Heer hergestellt worden sein. Nach dem Kriege wurde dann jegliche Fabrikation eingestellt. Die ehemaligen gewerblichen Anlagen wurden zu Wohnzwecken umgebaut.
(nach Karl Niederl, "Mariatroster Bote" 1984 und 1991; GernotFournier, "Mariatrost" 1994Kommentare
Ein erster Lokalaugenschein am 28.7.1025 ergibt, dass die Hauptfassaden mit dem spitzen Giebel nicht abgerissen, sondern gestützt ist. Dahinter wird neu gebaut.
Am 24.11.2025 zeigt sich ein anderes Bild: es ist nur mehr das Erdgeschoß im alten Mauerwerk zu sehen. Laukhardt (Diskussion) 15:18, 24. Nov. 2025 (CET)