Grabenstraße 86: Unterschied zwischen den Versionen
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|Textabschnittstitel=Ehem. Schloss Grabenhofen | |Textabschnittstitel=Ehem. Schloss Grabenhofen | ||
|Textabschnitt=Bei Kabellegungen 1932 stieß man nördlich des an der Ecke zur Grabenstraße stehenden (heute: bestandenen) Wirtschaftsgebäude des Blinden-Institutes, Hochsteingasse 2, auf drei parallele Mauern; bedauerlicherweise sind sie nicht in einer Skizze festgehalten worden. Es wird angenommen, dass dies die Reste des aus einem Meierhof hervorgegangenen Schlosses Grabenhofen waren. 1294 besitzt Conrat ab dem Graben einen "hoff an dem Graben", der vermutlich auf dem kleinen Hügel gestanden ist, der sich über der "Schloss-Schmiede" [[Grabenstraße 92]]erhebt. Als mit Andrä von Graben am 14. April 1556 die steirische Linie des Geschlechts der Herren von Graben erlosch, ging zumindest ein Teil des Gutes an seine Schwester Anna von Graben und ihren Mann Christoph Stadler. Nach dem Tod von Christoph Stadler 1611 wurde während der als Kipperzeit berüchtigten Geldkrise zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges Grabenhofen 1619 an den Grazer Ratsbürger und späteren Bürgermeister Georg Klingendrat veräußert, der es jedoch 1622 an die Freiherren von Glojach abtreten mußte, weil diese gegen ihn das Einstandsrecht des landständischen Adels geltend gemacht hatten. 1633 kam Grabenhofen an die Eibiswald und fiel 1665 durch Erbteilung der ältesten Tochter Maria Isabella des Freiherrn Christof Friedrich von Eibiswald zu. Diese, eine vermählte Gräfin Rottal, gab der Mühle in der [[Körösistraße 92]] den Namen; sie setzte 1678 durch Testament ihre beiden Töchter als Erbinnen zu gleichen Teilen ein, das Gut gelangte indessen an die ältere Maria Eleonora, die sich mit Niklas Freiherrn von Pranckh verheiratet hatte, und hieß nun Prankerhof. Unter ihrem Sohn und Nachfolger (1733) Ferdinand Josef Reichsgrafen von Prankh, einem schlechten Wirtschafter, kam es zum Zusammenbruch, die Herrschaft wurde wegen Steuerrückständen von der Landschaft gepfändet, am 20. Mai 1765 zwangsweise versteigert und der Meisterschaft des Grazer Bäckerhandwerkes für das Meistgebot von 24.000 fl. zugeschlagen. Deren Gesuch um Zuschreibung von Grabenhofen und der dazugehörigen Gülten stieß jedoch bei der Landschaft auf Schwierigkeiten, und da es schließlich den Erwerbern nur auf die zugehörigen, allerdings ziemlich heruntergekommenen Mühlen und die Grundstücke ankam, so verkauften sie 1773 alle dienstbaren Untertanen der Herrschaft samt dem Burgfrieden, dem Fischwasser, der Jagdbarkeit, der Maut und dem Steinbruch an Josef Bosetz Edlen von Trautenburg, der all dies zur Herrschaft Neu-Grabenhofen vereinigt. Das schon verfallende Schlossgebäude wurde bald danach abgetragen. | |Textabschnitt=Bei Kabellegungen 1932 stieß man nördlich des an der Ecke zur Grabenstraße stehenden (heute: bestandenen) Wirtschaftsgebäude des Blinden-Institutes, Hochsteingasse 2, auf drei parallele Mauern; bedauerlicherweise sind sie nicht in einer Skizze festgehalten worden. Es wird angenommen, dass dies die Reste des aus einem Meierhof hervorgegangenen Schlosses Grabenhofen waren. 1294 besitzt Conrat ab dem Graben einen "hoff an dem Graben", der vermutlich auf dem kleinen Hügel gestanden ist, der sich über der "Schloss-Schmiede" [[Grabenstraße 92]] erhebt. Als mit Andrä von Graben am 14. April 1556 die steirische Linie des Geschlechts der Herren von Graben erlosch, ging zumindest ein Teil des Gutes an seine Schwester Anna von Graben und ihren Mann Christoph Stadler. Nach dem Tod von Christoph Stadler 1611 wurde während der als Kipperzeit berüchtigten Geldkrise zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges Grabenhofen 1619 an den Grazer Ratsbürger und späteren Bürgermeister Georg Klingendrat veräußert, der es jedoch 1622 an die Freiherren von Glojach abtreten mußte, weil diese gegen ihn das Einstandsrecht des landständischen Adels geltend gemacht hatten. 1633 kam Grabenhofen an die Eibiswald und fiel 1665 durch Erbteilung der ältesten Tochter Maria Isabella des Freiherrn Christof Friedrich von Eibiswald zu. Diese, eine vermählte Gräfin Rottal, gab der Mühle in der [[Körösistraße 92]] den Namen; sie setzte 1678 durch Testament ihre beiden Töchter als Erbinnen zu gleichen Teilen ein, das Gut gelangte indessen an die ältere Maria Eleonora, die sich mit Niklas Freiherrn von Pranckh verheiratet hatte, und hieß nun Prankerhof. Unter ihrem Sohn und Nachfolger (1733) Ferdinand Josef Reichsgrafen von Prankh, einem schlechten Wirtschafter, kam es zum Zusammenbruch, die Herrschaft wurde wegen Steuerrückständen von der Landschaft gepfändet, am 20. Mai 1765 zwangsweise versteigert und der Meisterschaft des Grazer Bäckerhandwerkes für das Meistgebot von 24.000 fl. zugeschlagen. Deren Gesuch um Zuschreibung von Grabenhofen und der dazugehörigen Gülten stieß jedoch bei der Landschaft auf Schwierigkeiten, und da es schließlich den Erwerbern nur auf die zugehörigen, allerdings ziemlich heruntergekommenen Mühlen und die Grundstücke ankam, so verkauften sie 1773 alle dienstbaren Untertanen der Herrschaft samt dem Burgfrieden, dem Fischwasser, der Jagdbarkeit, der Maut und dem Steinbruch an Josef Bosetz Edlen von Trautenburg, der all dies zur Herrschaft Neu-Grabenhofen vereinigt. Das schon verfallende Schlossgebäude wurde bald danach abgetragen. | ||
(Nach: Luschin, Rosenberg; Sikora, Grabenhofen; Pirchegger, Häuserbuch). | (Nach: Luschin, Rosenberg; Sikora, Grabenhofen; Pirchegger, Häuserbuch). | ||
Zweifel an der Lokalisierung entstanden, weil die im Schlösserbuch von Vischer 1681 wiedergegebene Ansicht zeigt, dass die Grabenstraße zwischen dem Schloss und seinem Garten verlief. | Zweifel an der Lokalisierung entstanden, weil die im Schlösserbuch von Vischer 1681 wiedergegebene Ansicht zeigt, dass die heutige Grabenstraße direkt zwischen dem Schloss und seinem Garten verlief. Aus dem Bild wird aber deutlich, dass der Garten gegen die Straße ebenfalls durch eine Mauer abgeschlossen war. | ||
Freilegung der Kellermauern 2021: | |||
Eine Anrainerin alarmierte mich am 27.10.2021 um 11 Uhr, nachdem sie vom Denkmalamt keine befriedigende Auskunft darüber erhalten hatte, warum die Abbrucharbeiten (Ecke Hochsteingasse - Grabenstraße) nicht archäologisch begleitet würden. Ich machte mich sofort auf den Weg. An Ort und Stelle erfuhr ich, dass es vor Tagen eine Besichtigung bzw. sogar eine Begehung des Kellers gegeben habe und die Trümmer später noch untersucht werden sollen. | |||
Meine Fotos zeigen ein Richtung Nordwest noch etwas unter die Hochsteingasse reichendes Kellergewölbe aus Ziegeln, das auf die noch sichtbaren Reste einer über 1 m dicken, wohl älteren Steinmauer entlang der Grabenstraße aufgesetzt wurde. Hier sind deutlich Renaissance-Ziegel zu erkennen. Hofseitig war ebenfalls noch ein Stück einer Steinmauer knapp vor dem Abbruch sichtbar. | |||
Ich schloss mich in einer Meldung an die Kleine Zeitung (Mag. Hecke) der Kritik der Dame an, solche Freilegungen wären für die Geschichtsforschung von größter Bedeutung und dürften nicht so unbeobachtet vonstatten gehen. | |||
|Bildname1=Grabenhof, 16861.JPG | |||
|Bildbeschreibung1=Der Grabenhof (Vischers Schlösserbuch) | |||
|Aufnahmejahr1=1681 | |||
|Bildname2=Grafenhofen, Grabungsbereich.jpg | |||
|Bildbeschreibung2=Grabungsbereich am 27.10. | |||
|Aufnahmejahr2=2021 | |||
|Bildname3=Grabenhofen, Keller Ecke Hochsteingasse.JPG | |||
|Bildbeschreibung3=Keller Richtung Hochsteingasse, 27.10. | |||
|Aufnahmejahr3=2021 | |||
|Bildname4=Grabenhofen, Keller Grabenstraße.JPG | |||
|Bildbeschreibung4=Keller Richtung Süden | |||
|Aufnahmejahr4=2021 | |||
|Bildname5=Grabenhofen, Mauer West.JPG | |||
|Bildbeschreibung5=Mauer Grabenstraße von Norden | |||
|Aufnahmejahr5=2021 | |||
|Bildname6=Grabenhofen, Mauer West 2.JPG | |||
|Bildbeschreibung6=Mauer Grabenstraße von Süden | |||
|Aufnahmejahr6=2021 | |||
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[[Kategorie:Geschichte]][[Kategorie:Schutz-Kataster Geidorf]] | [[Kategorie:Geschichte]][[Kategorie:Schutz-Kataster Geidorf]] | ||
{{Discussion}} | {{Discussion}} | ||
Aktuelle Version vom 28. Oktober 2021, 10:13 Uhr
Österreich » Steiermark » Graz » 8010
47° 5' 12.95" N, 15° 26' 12.16" E
Ehem. Schloss Grabenhofen
(Nach: Luschin, Rosenberg; Sikora, Grabenhofen; Pirchegger, Häuserbuch). Zweifel an der Lokalisierung entstanden, weil die im Schlösserbuch von Vischer 1681 wiedergegebene Ansicht zeigt, dass die heutige Grabenstraße direkt zwischen dem Schloss und seinem Garten verlief. Aus dem Bild wird aber deutlich, dass der Garten gegen die Straße ebenfalls durch eine Mauer abgeschlossen war.
Freilegung der Kellermauern 2021: Eine Anrainerin alarmierte mich am 27.10.2021 um 11 Uhr, nachdem sie vom Denkmalamt keine befriedigende Auskunft darüber erhalten hatte, warum die Abbrucharbeiten (Ecke Hochsteingasse - Grabenstraße) nicht archäologisch begleitet würden. Ich machte mich sofort auf den Weg. An Ort und Stelle erfuhr ich, dass es vor Tagen eine Besichtigung bzw. sogar eine Begehung des Kellers gegeben habe und die Trümmer später noch untersucht werden sollen. Meine Fotos zeigen ein Richtung Nordwest noch etwas unter die Hochsteingasse reichendes Kellergewölbe aus Ziegeln, das auf die noch sichtbaren Reste einer über 1 m dicken, wohl älteren Steinmauer entlang der Grabenstraße aufgesetzt wurde. Hier sind deutlich Renaissance-Ziegel zu erkennen. Hofseitig war ebenfalls noch ein Stück einer Steinmauer knapp vor dem Abbruch sichtbar.
Ich schloss mich in einer Meldung an die Kleine Zeitung (Mag. Hecke) der Kritik der Dame an, solche Freilegungen wären für die Geschichtsforschung von größter Bedeutung und dürften nicht so unbeobachtet vonstatten gehen.Kommentare
Ich wäre sehr interessiert, Näheres aus der Sicht des Bundesdenkmalamtes zu erfahren. Mit schönen Grüßen. Antwort am selben Tag: Sehr geehrter Herr Dipl. Dolm. Laukhardt, danke für Ihr Interesse, ich kann Ihnen dazu mitteilen, dass das Bundesdenkmalamt über diese Abbruchmaßnahme bereits vor längerer Zeit informiert worden ist und sich in dieser Sache eingebracht hat. Daher wird eine auf Initiative des Bundesdenkmalamtes von der Eigentümerin beauftragte und mit Bescheid genehmigte archäologische Baubegleitung durchgeführt. Nach Auswertung der während der noch laufenden Abtragungen erworbenen Kenntnisse wird eine wissenschaftliche Dokumentation erstellt. Es ist also hier kein Informationsverlust durch unbeobachtete Grabungen bzw. Freilegungen zu befürchten. Mit freundlichen Grüßen, Christian Brugger
Laukhardt (Diskussion) 19:18, 28. Okt. 2021 (CEST)